Objektname

Tsakwayna, Krieger

Künstler

Unbekannt

Entstehungsort

Wahrscheinlich First Mesa

Datierung

Um 1950

Provenienz

Sammlung Antonio und Christin Ferretti

NONAM Inv. Nr.

2018-FE-00076

Material

Cottonwood (Wurzelholz der Pappel), Farben

Maße

33,5 x 29 x 16,5cm

Zeremonien

Pamürti, Powamuya, Angk‘wa

Beschreibung

Zwei gelbe Halbmonde, mit den Spitzen nach unten gerichtet, zeigen zusammen mit einem rechteckigen und rot umrandeten Mund sowie mit weißen gezackten Zähnen auf einem schwarzen Kopf das Gesicht dieser tihu. An dem Kinn sind als Bart schwarze Haare (?) befestigt, die bis zur Brust reichen. Von der Unterlippe hängen in einem Bündel zusammengebunden kurze rote Haare (?) ab, die eine Zunge darstellen könnten. Die tihu hat eine Art Pagenfrisur (oder einen Helm?) und auf der Krone des Kopfes befinden sich noch Reste von Federn (?), die diesen geschmückt haben.

Der breite Oberkörper ist leicht nach vorne gerichtet und braun gefasst. Gelbe Farbe streckt sich wie ein breiter runder Kragen, leicht aufgetragen über die Brust, bis hin zu den Schultern und über die Arme. Überkreuzt verlaufen zwei Bänder über die Brust, die von den Schultern ausgehen und sich über die Hüften zum Rücken hinziehen. An diesen hängen kleine Muschelformen hinunter. An beiden Oberarmen sind breite blaue Armreifen zu sehen. Am linken Armreif hängen zwei Bänder hinunter, die mit Federn enden, und das Armband am Handgelenk ist blauen Verzierung dekoriert. In der linken Hand hält die Figur einen Bogen aus Holz und Schnur. Auch der rechte Arm ist angewinkelt, aber nach oben gerichtet und hält in der Hand eine schwarz-weiße Rassel. Der knielange Rock ist in diesem Fall aus echtem Stoff, der ursprünglich weiß gefasst war. Heute zeigt sich die Farbe in einem sehr fragmentierten Zustand und gibt damit die braune Farbe des Stoffs frei. Das Kleidungsstück wird an der Hüfte von einem dunklen Gürtel gehalten, der mit weiteren Muscheln in der gleichen Farbe verziert wurde.

Die Beine der tihu sind leicht angewinkelt und das linke Bein ist sogar leicht erhoben, sodass die Figur scheinbar in einem Moment der Bewegung dargestellt wird. An den Füßen trägt die Figur blaue Mokassins mit gelben Akzenten, die rot umrandet werden. Die tihu kann von allein scheinbar nicht stehen und wird in der Abbildung mit Hilfe von Styropor zum Stehen gebracht.

Wissenschaftliche Einordnung

Tsa’kwayna, dessen Name nicht übersetzt werden kann, ist ein Krieger, was unter anderem an den gekreuzten Brustschärpen und dem Bogen (meist in Verbindung mit einem Pfeil) in der linken Hand deutlich zu erkennen ist.

Seine auffälligsten Merkmale sind im Allgemeinen die schwarze Hautfarbe, die sichelförmigen Augen, die aus dem Mund hängende Zunge und die gelben Schultern und Unterarme. Er gehört zur Gruppe der Katsinam, die aus Zuni zu den Hopi gelangt sind, wo er wuya (Ahnherr) des Asa-Clans ist, den er von Zuni auf die First Mesa geführt haben soll. Aus diesem Grund spielte er bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch eine wichtige Rolle bei der Pamürti-Zeremonie, der Rückkehr der Katsinam auf die First Mesa. Von dort machte er sich auf den Weg zur Second und Third Mesa und erscheint bei der Powamuya-Zeremonie und Angk’wa. Seine Geister repräsentieren kalte Feuchtigkeit. Wright berichtet, dass es sich bei tsa’kwayna womöglich um eine Repräsentation des aus Nordafrika stammenden Sklaven Estevanico handeln könnte, der während der spanischen Expedition zu den Sieben Städten aus Gold unter Marcos de Niza eine führende Rolle inne hatte und im Jahr 1539 von den Zuni getötet (oder nur gefangen) wurde. Dass er auch in den Pueblos am Rio Grande verbreitet ist, lässt aber Zweifel an dieser Interpretation aufkommen.

Tsa’kwayna ist Teil einer größeren Familie, zu der noch die Großmutter, die Mutter, die Schwester (2018-FE-00192) und der Onkel gehören.

Vergleiche auch 2018-FE-00077, 2018-FE-00078, 2018-FE-00187

Verwendete Literatur

Colton 1959, Fewkes 1903, Haberland 1997, Secakuku 1995, Wright 1997

Name der/s Bearbeiter*in

Sarah Heidari

Stand der Bearbeitung

25.08.2020